Ende August 2026 waren wir im Rahmen von KIRA gemeinsam mit Vertreter:innen unserer Partnerküchen auf Hoftour durch die Region, um Landwirtschaft und Gemeinschaftsverpflegung direkt miteinander ins Gespräch zu bringen. Besucht haben wir das Gut Paulinenwäldchen bei Aachen, Hildes Grünzeug in Geilenkirchen und zum Abschluss durften wir Manfred Hermanns und seine Waldhühner in Hückelhoven beuschen. Vor Ort konnten die Köche kennenlernen, wie die landwirtschaftlichen Betriebe arbeiten, welche Produkte sie anbauen und welche Herausforderungen bei Anbau, Vermarktung und Belieferung größerer Küchen bestehen. Gleichzeitig konnten die Erzeuger:innen mehr darüber erfahren, welche Mengen, Qualitäten und Abläufe für die Gemeinschaftsverpflegung wichtig sind.
Vom Hofbesuch zum Großauftrag: 500 kg Tomaten finden ihren Weg in die Gemeinschaftsverpflegung
Manchmal braucht es nur ein persönliches Kennenlernen, damit aus regionalem Angebot und großer Nachfrage eine Zusammenarbeit wird. Genau das ist bei unserem KIRA-Hofbesuch Ende August 2026 passiert: 500 Kilogramm Freilandtomaten von Hildes Grünzeug finden ihren Weg in die Küche der DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft, einem Unternehmen der KfW Bankengruppe. Das Besondere daran: Hinter diesen Tomaten steckt nicht nur ein landwirtschaftlicher Betrieb, sondern auch ein Forschungsprojekt.
Freilandtomaten als Forschungsprojekt
Auf den Feldern von Hilde Volles wachsen in diesem Jahr unter anderem Tomaten im Rahmen des OekoTom-Projekts der Universität Kassel. Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der ökologischen Züchtung von Freilandtomaten und der Frage, welche Sorten sich künftig gut für den ökologischen Anbau eignen.
Dabei geht es unter anderem um Geschmack und Aroma, Robustheit gegenüber Krankheiten sowie einen möglichst effizienten Umgang mit Wasser und Nährstoffen. Neben Tomaten für den Frischmarkt werden auch Buschtomaten untersucht, die sich für die Verarbeitung beispielsweise zu Passata, Saft oder Ketchup eignen sollen.
Freilandtomaten sind dabei besonders interessant: Ein großer Teil der Tomaten wird heute geschützt unter Glas oder Folie angebaut. Das ökologische Freiland-Tomatenprojekt der Universität Kassel untersucht deshalb schon seit vielen Jahren, wie Tomaten auch unter Freilandbedingungen erfolgreich angebaut und weiterentwickelt werden können.
Ein gutes Tomatenjahr – mit einer Herausforderung
Bei Hildes Grünzeug wachsen die Tomaten unter freiem Himmel und nach Bioland-Richtlinien. Das trockene Wetter hat in diesem Jahr für besonders gute Erträge gesorgt. Was zunächst eine gute Nachricht ist, bringt für einen kleineren Gemüsebaubetrieb jedoch auch eine Herausforderung mit sich: Die große Menge muss innerhalb kurzer Zeit Abnehmer finden. Ein Teil der Tomaten hätte möglicherweise nicht rechtzeitig vermarktet werden können. Genau hier kam der KIRA-Hofbesuch ins Spiel.
Sehen, wo die Lebensmittel herkommen
Bei unserem Hofbesuch traf Hilde auf Herrn Krüger, Kasinoleiter der DEG, der mit seiner Küche auch an der kommenden KIRA-Aktionswoche im September 2026 teilnimmt. Vor Ort konnte er sich selbst ein Bild davon machen, wo und wie die Lebensmittel angebaut werden – und gleichzeitig erfahren, welche Produkte gerade in größeren Mengen verfügbar sind. Und natürlich konnte sich Herr Krüger direkt auf dem Acker auch von der Qualität und dem Geschmack der Tomaten überzeugen.
Aus dem Gespräch auf dem Tomatenfeld entstand so kurzerhand eine konkrete Bestellung: Die DEG nimmt die 500 Kilogramm Bio-Tomaten von Hilde Volles ab.
Für Hilde Volles bedeutet das, dass ein großer Teil des aktuellen Überschusses sinnvoll vermarktet werden konnte. Für die Küche eröffnet sich wiederum die Möglichkeit, eine große Menge frischer Bio-Tomaten direkt aus der Region einzusetzen.
Genau dafür braucht es regionale Netzwerke
Die spontane Zusammenarbeit zeigt, warum der persönliche Austausch zwischen Landwirtschaft und Gemeinschaftsverpflegung so wichtig ist. Denn Angebot und Nachfrage sind durchaus vorhanden – sie müssen nur zueinanderfinden.
Und genau das macht diese Verbindung für uns im KIRA-Projekt besonders spannend: Ein Forschungsprojekt entwickelt Ansätze für einen zukunftsfähigen ökologischen Tomatenanbau. Ein regionaler Betrieb erprobt diese Pflanzen unter Praxisbedingungen. Und eine Großküche schafft einen Absatzweg für die daraus entstehenden Lebensmittel.
Wie wir wissen, entstehen solche Verbindungen nicht automatisch. Die Forschung der Universität Hohenheim zu bioregionalen Wertschöpfungsketten zeigt ebenfalls, dass Vernetzung und Kooperation entlang der Wertschöpfungskette zu den zentralen Erfolgsfaktoren gehören, während Verfügbarkeit, Logistik und fehlende passende Absatzstrukturen häufig Hemmnisse darstellen.
Gerade saisonale Überschüsse bieten dabei eine Chance: Was auf dem Feld gerade besonders reichlich wächst, kann in den Küchen der Region in größeren Mengen verarbeitet werden. Dafür müssen Küchen wissen, was wann und wo verfügbar ist, und landwirtschaftliche Betriebe brauchen Abnehmer, die entsprechende Mengen einsetzen können.
Genau solche Verbindungen möchte KIRA schaffen.
Von der Begegnung zur Zusammenarbeit
Die Bestellung ist deshalb mehr als ein schöner Erfolg unserer Hoftour. Sie zeigt ganz praktisch, was entstehen kann, wenn sich die Menschen hinter Erzeugung und Küche persönlich kennenlernen.
Mit der KIRA-Aktionswoche vom 14. September bis 9. Oktober 2026 möchten wir genau daran anknüpfen: Küchen können bio-regionale Produkte ausprobieren, neue Bezugswege kennenlernen und Erfahrungen sammeln, aus denen im besten Fall langfristige Lieferbeziehungen entstehen.
Sie arbeiten in einer Küche im Regierungsbezirk Köln oder Düsseldorf und möchten selbst ausprobieren, wie mehr bio-regionale Lebensmittel auf den Teller kommen können? Dann machen Sie bei der KIRA-Aktionswoche vom 14. September bis 9. Oktober 2026 mit. Wählen Sie innerhalb dieses Zeitraums eine Aktionswoche aus, testen Sie bio-regionale Zutaten und knüpfen Sie neue Kontakte zu Erzeuger:innen und Lieferstrukturen aus der Region. Wir begleiten Sie bei der Vorbereitung und Umsetzung.
Wenn Sie als Küche Interesse an der KIRA Aktionswoche haben oder Fragen zu den Materialien haben, melden Sie sich gern bei David Bexte, Projektkoordination, unter 0155 – 65 03 06 88 oder per Mail an david.bexte@ernaehrungsrat.koeln.