Am 26. August waren wir im Rahmen von KIRA gemeinsam mit Köchen und weiteren Projektbeteiligten auf Hofexkursion. Unter dem Motto „Den heimischen Zutaten auf der Spur“ haben wir drei sehr unterschiedliche landwirtschaftliche Betriebe besucht und dabei vor allem eine Frage mitgenommen: Was braucht es eigentlich, damit mehr Lebensmittel aus der Region zuverlässig ihren Weg in die Außer-Haus-Verpflegung finden?
Unser erster Stopp war das Gut Paulinenwäldchen. Hier konnten wir den Weg des Gemüses über die Ernte hinaus verfolgen: Wir haben beim Packen der Bio-Kisten zugeschaut, Kühlräume besichtigt und die Kartoffelabpackung kennengelernt. Neben dem Anbau wurde damit sehr konkret sichtbar, wie wichtig Verarbeitung, Lagerung, verfügbare Mengen und Logistik für die Belieferung größerer Abnehmer sind.
Weiter ging es zu Hildes Grünzeug, wo uns Hilde und Harald Volles über den Betrieb und die Felder geführt haben. Neben frisch geernteter Roter Bete haben wir dort auch das Tomatenfeld des Forschungsprojekts OekoTom besucht. Gemeinsam mit der Universität Kassel werden Tomatensorten unter Praxisbedingungen getestet – darunter Buschtomaten, die perspektivisch auch für die Verarbeitung und Gemeinschaftsverpflegung interessant sein können. Bei einer Verkostung direkt auf dem Feld konnten wir die Unterschiede der verschiedenen Sorten selbst erschmecken. Außerdem haben wir die Streuobstwiese mit rund 100 Bäumen und etwa 50 verschiedenen Sorten besucht – ein eindrückliches Beispiel dafür, wie landwirtschaftliche Flächen neben der Lebensmittelproduktion auch Raum für Sortenvielfalt und Biodiversität bieten können.
Zum Abschluss waren wir bei den Waldhühnern von Manfred Hermanns in Hückelshofen. Mitten zwischen den freilaufenden Hühnern haben wir viel darüber erfahren, welche Rolle Auslaufgestaltung und Fütterung für die Haltung spielen. Bäume und Sträucher bieten den Tieren beispielsweise Schutz und sorgen dafür, dass sie den Auslauf besser nutzen können. Auch die Fermentation eines Teils des Futters war ein spannender Einblick in die Arbeit des Betriebs.
Für KIRA war der Tag aber vor allem deshalb wertvoll, weil Landwirtschaft und Küche direkt miteinander ins Gespräch gekommen sind. Dabei wurde einmal mehr deutlich: Der Wunsch nach mehr Regionalität allein reicht nicht aus. Verfügbare Mengen und Gebindegrößen, Verarbeitung, Preise, Logistik, Bestellprozesse und Planungssicherheit müssen zu den Abläufen einer Großküche passen – gleichzeitig müssen die Anforderungen für die landwirtschaftlichen Betriebe realistisch umsetzbar sein.
Bei aller Begeisterung für die Betriebe und Produkte wurden während der Exkursion auch die vielen Herausforderungen deutlich. Denn nur weil Lebensmittel in der Region erzeugt werden und Küchen gerne regionaler einkaufen möchten, finden beide Seiten noch lange nicht automatisch zusammen. Genau hier sind die direkten Gespräche zwischen Erzeuger, Handel und Küchen so wertvoll: Sie machen sichtbar, was die jeweils andere Seite braucht – und an welchen Stellen gemeinsam neue Lösungen gefunden werden müssen.
Wir möchten uns herzlich beim Gut Paulinenwäldchen, bei Hilde und Harald Volles von Hildes Grünzeug und bei Manfred Hermanns für ihre Offenheit und die vielen Einblicke bedanken – und natürlich bei allen Teilnehmenden für die Fragen, Gespräche und Perspektiven aus der Praxis.
Mit der KIRA-Aktionswoche vom 14. September bis 9. Oktober 2026 möchten wir genau daran anknüpfen: Küchen können bio-regionale Produkte ausprobieren, neue Bezugswege kennenlernen und Erfahrungen sammeln, aus denen im besten Fall langfristige Lieferbeziehungen entstehen.
Sie arbeiten in einer Küche im Regierungsbezirk Köln oder Düsseldorf und möchten selbst ausprobieren, wie mehr bio-regionale Lebensmittel auf den Teller kommen können? Dann machen Sie bei der KIRA-Aktionswoche vom 14. September bis 9. Oktober 2026 mit. Wählen Sie innerhalb dieses Zeitraums eine Aktionswoche aus, testen Sie bio-regionale Zutaten und knüpfen Sie neue Kontakte zu Erzeuger:innen und Lieferstrukturen aus der Region. Wir begleiten Sie bei der Vorbereitung und Umsetzung.
Wenn Sie als Küche Interesse an der KIRA Aktionswoche haben oder Fragen zu den Materialien haben, melden Sie sich gern bei David Bexte, Projektkoordination, unter 0155 – 65 03 06 88 oder per Mail an david.bexte@ernaehrungsrat.koeln.