Unser neues Projekt „Engagiert für Ernährungsgerechtigkeit im Veedel“ vernetzt Menschen in Köln, die sich für Ernährungsgerechtigkeit engagieren. Ein besonderer Fokus liegt darauf, Menschen, die von Ernährungsarmut betroffen sind, aktiv einzubeziehen. Wir möchten sie ermutigen und stärken, ihre Perspektiven einzubringen und sich für ihre eigenen Anliegen einzusetzen. Daher planen wir mit Partner:innen und Unterstützer:innen aus verschiedenen Stadtvierteln zusammenzuarbeiten, die uns in Kontakt mit von uns noch nicht erreichten Menschen bringen.
Worum geht es?
In Deutschland sind rund 3 Millionen Menschen von Ernährungsarmut betroffen, darunter besonders armutsgefährdete Haushalte, Alleinerziehende, ältere Menschen, Geflüchtete sowie Kinder und Jugendliche. Der eingeschränkte Zugang zu gesunden Lebensmitteln wirkt sich negativ auf Gesundheit, soziale Teilhabe und die Selbstwirksamkeit aus. Und die Situation verschärft sich – immer mehr Menschen müssen beim Essen sparen. Eine aktuelle Studie von Sanktionsfrei e.V. zeigt: Knapp 70 % der Menschen in der Grundsicherung können sich keine gesunde Ernährung leisten. Mehr als die Hälfte verzichtet sogar selbst auf Essen, damit die eigenen Kinder satt werden. Und in Köln ist im Durchschnitt jede vierte Person armutsgefährdet – nicht nur Menschen, die Grundsicherung beziehen, sondern wie in ganz Deutschland auch Rentner:innen, Alleinerziehende, Geflüchtete, usw. Je nach Stadtteil ist die Lage unterschiedlich: in machen Viertel ist über die Hälfte der Haushalte von Armut bedroht.
Ernährungsgerechtigkeit bedeutet, dass alle Menschen – unabhängig von Einkommen, Herkunft oder sozialem Status – Zugang zu gesunder, bezahlbarer und nachhaltig produzierter Nahrung haben. Dazu wollen wir in Köln beitragen.
Eigentlich müsste der Staat das Maximum seiner zur Verfügung stehenden Ressourcen dafür zu nutzen, damit Menschen sich angemessen und gesund ernähren können, um das Menschenrecht auf Nahrung auch in Deutschland vollumfänglich zu verwirklichen. Aber das Gegenteil ist der Fall: Sozialleistungen werden abgebaut und Sanktionen verschärft, während das Leben teurer wird, sodass immer mehr Menschen in Ernährungsarmut landen.
Gleichzeitig ist bürgerschaftliches Engagement im Bereich Ernährung – etwa in Ernährungsräten oder Nachhaltigkeitsinitiativen – bislang von gut gebildeten, privilegierten Gruppen geprägt. Wir möchten mit unserem Projekt gezielt Menschen mit geringeren Teilhabechancen, darunter armutsbetroffene Haushalte, Menschen mit Migrationsgeschichte und ältere Menschen, ansprechen und befähigen. Ziel ist es, die Strukturen des Ernährungsrats und das Engagement rund um Ernährung in Köln diverser und inklusiver zu gestalten.
Auf unserer gemeinsamen Veranstaltung „Gutes Essen für alle“ mit FIAN und der Volkshochschule Köln im vergangenen Jahr, haben wir gelernt, dass es von (Ernährungs-) Armut Betroffenen darum geht mit ihren Forderungen auch öffentlich Gehör zu finden. Daher setzt das Projekt “Engagiert für Ernährungsgerechtigkeit im Veedel“ auf Empowerment und Beteiligung: Wir möchten neue Angebote für marginalisierte Gruppen schaffen, die Beteiligung an ehrenamtlicher Arbeit im Ernährungsrat fördern und Dialogformate zwischen verschiedenen sozialen Gruppen anstoßen. So sollen gesellschaftliche Barrieren abgebaut und der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden.
Wie gehen wir vor?
Unser Ansatz ist es, gemeinsam, lernend und auf Augenhöhe zu arbeiten. Nachhaltige Lösungen können nur entstehen, wenn die Perspektiven der Betroffenen im Mittelpunkt stehen. Daher geht es in einem ersten Schritt darum zuhören und zu lernen – von Betroffenen und Verbündeten. Wir wollen verstehen:
- Wie erleben Menschen Ernährungsarmut?
- Was hilft ihnen konkret im Alltag?
- Welche Unterstützung funktioniert – und warum?
- Welche Möglichkeiten gibt es, sich selbst wirksam einzubringen?
Diese Fragen möchten wir vor allem im persönlichen Kontakt im Veedel und in den Kölner Sozialräumen besprechen. Außerdem planen wir eine kleine Befragung von Unterstützer:innen und Multiplikator:innen aus der Sozialen Arbeit und dem Quartiersmanagement.
Unterwegs im Veedel
Mit unserem Info-Lastenrad sind wir direkt vor Ort: Wir informieren, kommen ins Gespräch und sammeln wichtige Perspektiven und Erfahrungen. So waren wir Anfang April schon bei „Wir im Nordquartier“ und haben sie bei der öffentlichen Zubereitung eines günstigen Mittagessens auf dem Toni-Platz in Mülheim begleitet.
Vor Ort aktiv sein
Gemeinsam mit Vermittler:innen aus verschiedenen Stadtteilen erreichen wir neue Menschen und bauen Brücken in unterschiedliche Lebensrealitäten. Dazu nutzen wir auch bereits bestehende Formate, zum Beispiel haben wir einen Offenen Kochtopf mit dem Vringstreff in der Kölner Südstadt veranstaltet.
Vernetzen & stärken
Wir verbinden engagierte Akteure in ganz Köln und schaffen neue Beteiligungs- und Resonanzräume – besonders für die Menschen, die bisher wenig gehört werden. Wir möchten dazu beitragen, dass die Stimmen für Ernährungsgerechtigkeit in Köln öffentlich lauter werden. Auch Schnittstellen mit unseren anderen Projekten und politischen Kontakten sollen dabei helfen das Thema Ernährungsgerechtigkeit stärker in den öffentlichen Fokus zu rücken.
Informieren & beraten
Wir entwickeln Infomaterialien und bieten gemeinsam mit lokalen Partner:innen Gesprächs- und Beratungsangebote an. Diese unterstützen Interessierte beim Einstieg ins Engagement. Multiplikationsformate gemeinsam mit der Kölner Freiwilligenagentur stärken und verbreiten das Engagement in der Stadt.
Wir möchten dazu beitragen, dass die Stimmen für Ernährungsgerechtigkeit in Köln öffentlich lauter werden.
Weitere Infos zum Projekt gibt es auf unserer Projektseite zu „Engagiert für Ernährungsgerechtigkeit im Veedel“.