Der Vierte Gleichstellungsbericht der Bundesregierung wurde kürzlich veröffentlicht und beleuchtet die Geschlechtergerechtigkeit in der sozial-ökologischen Transformation. Er hebt praktische Beispiele wie unser Projekt KIRA hervor, das als Best Practice im Handlungsfeld Ernährung vorgestellt wird. Hier ist es möglich, den Gleichstellungsbericht herunter zu laden. 

Was beinhaltet der vierte Gleichstellungsbericht?

Der Vierte Gleichstellungsbericht der Bundesregierung analysiert den Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland mit Fokus auf die sozial-ökologische Transformation. Eine unabhängige Sachverständigenkommission hat Analysen und Handlungsempfehlungen für elf zentrale Felder erarbeitet, darunter Energie, Mobilität und Ernährung. Die Bundesregierung hat den Bericht im März 2025 beschlossen und damit Impulse für eine geschlechtergerechte Politik gesetzt. Der Bericht geht über bloße Statistiken hinaus: Er zeigt, wie Klimawandel und Transformationsprozesse Geschlechter ungleich belasten, etwa Frauen in einkommensschwachen Haushalten stärker. Maßnahmen wie der Ausbau nachhaltiger Strukturen sollen Stereotype abbauen und Chancengleichheit schaffen. Die Veröffentlichung markiert einen Meilenstein, da sie Empfehlungen direkt in politische Prozesse einfließen lässt. 

Im Vierten Gleichstellungsbericht wird der Zusammenhang Frauen, Ernährung und Gleichstellung im Handlungsfeld „Ernährung“ als systematisches Problem der sozial-ökologischen Transformation beschrieben. Geschlechterstereotype koppeln Identität an Vorlieben (Männer-Fleisch, Frauen-Salat), während Ernährungsarbeit ungleich verteilt ist – Frauen tragen die Hauptlast für Planung, Einkauf und Zubereitung. Das erschwert Frauen die Umsetzung nachhaltiger Entscheidungen, da sie oft für gesünderes, pflanzlicheres Essen werben, aber gegen kulturelle Normen ankämpfen.

Die Kernbotschaft lautet: Gleichstellung als Querschnittsaufgabe in allen Transformationsmaßnahmen verankern. Der Bericht fordert Investitionen in klimafreundliche öffentliche Daseinsvorsorge, Berücksichtigung unterschiedlicher Lebensrealitäten und Schutz frauendominierter Branchen wie Pflege oder Bildung. Institutionelle Mechanismen sollen die Umsetzung vorantreiben, etwa durch geschlechtergerechte Planung in Politik und Wirtschaft. Diese Prinzipien adressieren, dass Klimawandel Frauen und Benachteiligte stärker trifft, während einseitige Techniklösungen Ungleichheiten verschärfen können. Sie dienen als Rahmen für alle Felder und betonen partizipative Gestaltung.

Wie entsteht dieser Bericht?

Die Gleichstellungsberichte entstehen aus einem Bundestags- und Bundesratsbeschluss: In jeder Legislaturperiode muss die Regierung den Gleichstellungsstand berichten. Sie kombinieren ein Sachverständigengutachten mit der Regierungs Stellungnahme, um konkrete Empfehlungen zu formulieren. Der Vierte setzt den Schwerpunkt auf sozial-ökologische Transformation, da Klimapolitik ohne Geschlechterperspektive Ungleichheiten verstärkt. Historisch folgt er Vorgängern wie dem Dritten zu digitaler Geschlechtergerechtigkeit (2021). Er dient der Dokumentation, sensibilisiert Politik und Gesellschaft und treibt Umsetzungen voran. Besonders relevant ist er heute, wo Transformationen wie die Energiewende Chancen und Risiken geschlechtsspezifisch verteilen. 

Die Bundesregierung soll die Empfehlungen in Maßnahmen umsetzen, was Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft betrifft. Praxisbeispiele wie KIRA illustrieren bereits Erfolge im Ernährungsfeld. Der Bericht wirkt als Leitfaden für nachhaltige Politik, die Ungleichheiten abbaut.

Fokus in diesem Bericht: das Thema Ernährung

Im Handlungsfeld Ernährung fordert der Bericht Maßnahmen für eine geschlechtergerechte Ernährungswende. Dazu gehören Ausbau der Gemeinschaftsverpflegung, besserer Zugang zu gesunden Lebensmitteln und Abbau von Geschlechterstereotypen in Essgewohnheiten. Fiskalische Instrumente und Qualitätssteigerung sollen gesunde Entscheidungen fördern. Der Bericht betont, dass ein Drittel der Mahlzeiten außer Haus eingenommen wird, wo Nachhaltigkeit und Regionalität Schlüssel sind. Elf Handlungsfelder insgesamt decken die Transformation ab, mit Ernährung als zentralem Pfeiler für soziale Gerechtigkeit. Praxisbeispiele – unter anderem unser KIRA Projekt  illustrieren die vielfältigen Umsetzungspotenziale.

Fakten und Zahlen – kurz zusammen gefasst

Der Bericht zitiert keine neuen Primärzahlen, sondern synthetisiert bekannte Studien: Frauen essen mehr Obst und Gemüse (z. B. EU-Schnitt: 58% Frauen vs. 51% Männer täglich 1–4 Portionen), Männer mehr Fleisch – was Stereotype verstärkt und Nachhaltigkeitsziele behindert. Ernährungsverantwortung fällt disproportional Frauen zu, was Zeit und Ressourcen bindet. Maßnahmen sollen Stereotype abbauen, Gemeinschaftsverpflegung ausbauen und fiskalische Anreize schaffen.

Ein zentraler, oft übersehener Punkt: Individuelle Verhaltensmaßnahmen (z. B. „weniger Fleisch essen“) reproduzieren Ungleichheit, da sie Frauen belasten, die eh mehr planen – Strukturen wie KIRA sind essenziell. Weltweit sind Frauen um 1,3 Prozentpunkte stärker von Ernährungsunsicherheit betroffen; über 1 Mrd. Frauen unterernährt mit generationellen Folgen. 

Diese Fakten zeigen: die Ernährungswende scheitert ohne das Thema Geschlechterperspektive mitzudenken, da Rollen und Stereotype systemisch wirken. Der Bericht fordert konkrete Veränderung durch Infrastruktur. 

Welche Rolle spielt hier KIRA?

KIRA – Konzeption und Initiierung eines nachhaltigen Regionalversorgungsnetzwerks für die Außer-Haus-Verpflegung in dem Regierungsbezirk Köln und Düsseldorf – wird im Bericht als Best-Practice-Beispiel im Ernährungsfeld aufgeführt. Das Projekt vernetzt Landwirte, Verarbeiter und Einrichtungen wie Kantinen, Schulen und Kitas mit digitalen Tools für bio-regionale Lieferketten. Es reduziert Lebensmittelverschwendung, stärkt DGE-konforme Standards und arbeitet an einer stabilen, regionale Wertschöpfung.

KIRA entsteht im Modellregionenwettbewerb „Besser essen in der Region“ und dient als Vorbild für Transferregionen wie Freiburg oder Saarland. Die Bundesstiftung Gleichstellung hat KIRA ausgewählt, da es geschlechtergerecht transformiert: Durch Qualitätssteigerung in der Gemeinschaftsverpflegung fördert KIRA den Zugang zu einer gesunder Ernährung unabhängig von Geschlechterrollen. 

Auch unbewusst fördert KIRA Geschlechtergerechtigkeit: Faire Ernährungsumgebungen reduzieren Belastungen, z. B. für Frauen mit höherem Einkaufsanteil oder Pflegeverantwortung. Es unterstreicht regionale Initiativen als Treiber für sozial-ökologische Ziele. Langfristig trägt KIRA zur nationalen Ernährungsstrategie bei und inspiriert ähnliche Netzwerke. Es macht abstrakte Empfehlungen greifbar und verstärkt die Sichtbarkeit regionaler Akteure.

Nimm Kontakt auf

Anmeldung und Information
Ihr seid ein Betrieb entlang der Wertschöpfungskette, Köch:in oder Leiter:in einer AHV Küche oder generell an dem Thema interessiert?Meldet euch gerne bei uns. Wir beraten kostenfrei, individuell und kompetent und bieten auch qualifizierte Unterstützung bei möglichen Förderanträgen.

Kontakt
David Bexte I Projektkoordination KIRA
+49 155 – 65030688 I david.bexte@ernaehrungsrat.koeln

KIRA – Gemeinsam für Regionales Essen
Ernährungsrat für Köln und Umgebung e.V.
Neven-DuMont-Str. 14
50667 Köln
0221 – 29 85 23 59

Aktuelles:

KIRA-Aktionswoche Mai 2026: Jetzt mitmachen!

Vom 18.–24. Mai 2026 startet die nächste KIRA-Aktionswoche im Regierungsbezirk Köln/Düsseldorf. 

KONTAKT David Bexte david.bexte@ernaherungsrat.koeln 

Zum Nachlesen empfehlen wir die ÖMR NRW Konzeptstudie zum Thema Bio-Regio Teller.

Ernährungsrat Köln