DER KIRA-NETZWERK LAUNCH FÜR DIE MODELLREGION RHEINLAND – EIN RÜCKBLICK

Am 1. Dezember 2025 füllte sich das Bistro mit gläserner Backstube der AXA in Köln mit einer klaren Vision: Die Außer-Haus-Verpflegung (AHV) in der Metropolregion Rheinland nachhaltig, bio-regional und krisenfest zu gestalten. Unter dem Motto „Gemeinsam Zukunft gestalten“ kamen Erzeugerbetriebe, Lebensmittelhändler, Menschen aus der Logistik und der Gemeinschaftsverpflegung zusammen, um für die Modellregion – die Regierungsbezirke Köln und Düsseldorf – echte Kooperationen zu schmieden. In der professionellen, engagierten und offenen Atmosphäre ließen sich die Teilnehmenden inspirieren, tauschten sich über mögliche Lösungen aus und knüpften rege Kontakte für konkrete weitere Schritte.  

FEIERLICHER MOMENT : Küchenkonzept für Kitas präsentiert 

Besonders beeindruckend war für uns die Übergabe des bio-regionale Küchenkonzept für Kitas – ein Meilenstein, der zeigt, dass Veränderung bereits stattfindet. Kindertageseinrichtungen sind zentrale Orte der Gemeinschaftsverpflegung – und stehen daher im besonderen Fokus des Projekts PröBiErs des Kölner Ernährungsrats. Über die rund 700 Kölner Kitas lassen sich einerseits viele Kinder weitgehend unabhängig von ihrem sozioökonomischen Hintergrund erreichen. Andererseits entfalten sie mit der Menge der täglich benötigten Lebensmittel eine unmittelbare Hebelwirkung auf das regionale Ernährungssystem. Das Küchenkonzept Nachhaltige Frischeküchen” bietet nicht nur Kitas einen praxisnahen Fahrplan für die Umgestaltung hin zu mehr gelebter und struktureller Nachhaltigkeit. Es wurde in enger Zusammenarbeit mit fünf Kölner Kitas entwickelt – aus der Praxis für die Praxis – und im Rahmen des KIRA-Netzwerk-Launchs an einen dieser Praxispartner, die Kita im Quäker Nachbarschaftsheim übergeben.  

Genau das ist unsere Vision: mit KIRA die Strukturen schaffen, die es möglich machen, dass gutes Essen – ökologisch, fair und gesund – für alle zugänglich wird. Denn „Die Menschen wünschen sich eine Ernährung, die Hand und Fuß hat, die von Menschen für Menschen und die Natur gemacht wird und die im Lot ist.“  Dr. Anna-Mara Schön (TH Köln) 

EIN NETZEWRK FÜR EINEN NACHHALTIGEN AHV ALLTAG

Das Ziel des vom BMLEH geförderten Projekts KIRA ist ein Küchenalltag, in dem regionale Lebensmittel mit Freude produziert, geliefert und verarbeitet werden – unterstützt durch einfache Bestellsysteme und eine Logistik, die Ressourcen schont. Dass dieser Wandel notwendig ist, zeigt auch die aktuelle Studie „Meine, deine, unsere?“ von More in Common: 64 % der Menschen in Deutschland sehen einen großen gesellschaftlichen Veränderungsbedarf bei der Ernährung.  

Für die AHV gibt es dabei ein zentrales Hemmnis: Mangelnde Verfügbarkeit bio-regionaler Ware, besonders in vorverarbeitetem Zustand, und einen entscheidenden Erfolgsfaktor: Vernetzung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Deshalb haben wir breit zu diesem Netzwerk-Launch eingeladen und das Thema Vorverarbeitung mit ganz oben auf die Agenda gestellt neben einem Input der Pentz GmbH aus Baden-Württemberg, die bereits eine Bio-Linie aufgebaut hat, sprach Tim Marx von der diversa GmbH über seine Pläne, am Niederrhein einen Bio-Schnittbetrieb aufbauen zu wollen.    

LOGISTIK ALS BRÜCKENSCHLAG ZWISCHEN ACKER UND TELLER

Ein zentraler Schwerpunkt des KIRA-Projekts liegt auf der Überwindung logistischer Hürden. Dr. Anna-Mara Schön (TH Köln) verdeutlichte in ihrem Vortrag, dass regionale Wege nicht automatisch kostengünstiger oder ökologischer sind – entscheidend sei die Effizienz der Wege: „Regionale Produkte sind immer besser als Produkte von weiter weg (…) stimmt… oder stimmt nicht?! Wie (fast) immer im Leben: Es kommt darauf an…“ 

Ein im KIRA-Projekt entwickelter Logistikkostenrechner wird künftig Transparenz über CO2-Emissionen und Kosten schaffen, um wirtschaftlich tragfähige Strukturen aufbauen zu können.  

PRAXISNAHE LÖSUNGEN AN DEN THEMENTISCHEN

Der KIRA Netzwerk Launch war neben den verschiedenen theoretischen Impulsen ein Ort für konkreten Austausch. An neun Themen-Tischen wurden angeregt diskutiert. Sie dienten als erster Kontakt-Ort, an dem die Teilnehmenden sich offen und vorurteilsfrei über mögliche Veränderungsbedarfe in der Ernährung austauschen konnten.  

  • KIRA-Aktionen:An diesem Tisch mit Isabell Ullrich (KIRA) wurde diskutiert, wie „Aktionsgerichte“ als bio-regionale Pilotprojekte u.a. die Akzeptanz bei Tischgästen schrittweise steigern können, etwa durch den Start mit einem Gericht pro Halbjahr. Ein Kern-Zitat dieses Tisches lautet: „Umstellung ist möglich, auch bei konservativen Tischgästen“, ergänzt durch die Erkenntnis: „Promotion durch Erzeuger / Projekt-Team steigert die Akzeptanz und das Interesse“

 

  • Kitas:Dieser Arbeitstisch stand unter dem Motto “mehr bio-regio in Kitas” und wurde von Heiko Metzger (Fröbel gGmbH) und Pia Quadt (Ernährungsrat Köln PröBiErs) angeleitet. Hier standen die Definition von Regionalität, der Ansatz „reduce, remix, replace“ und das neu erschienene Küchenkonzept im Fokus, welches an diesem Abend ….. gefeiert hat. 

 

  • Erzeuger-Zusammenschlüsse:Mareike Jarosch von der Bio Region Niederrhein erläuterte die Vorteile gebündelter Vermarktung, wie eine überbetriebliche Absatzplanung und bessere Sichtbarkeit durch gemeinsames Marketing.  Für die Außer-Haus-Verpflegung (AHV) würden so Mengen und Vielfalt sichergestellt werden können.  

 

  • Vorverarbeitung:Diskutiert wurde die essenzielle Rolle von Schnittbetrieben , um Großküchen die Arbeit mit regionaler Rohware durch küchenfertige Produkte zu erleichtern. Eine zentrale Frage war dabei: „Welche Produkte gibt es in welchen Mengen und in welcher Qualität?“, sodass sich die Schaffung eines bioregionalen Angebots überhaupt lohnt. 

 

  • KIRA Küchen(Dauerhaft mehr bio-regio):  Christian Gröblinghoff (AXA Versicherung) und Wertschöpfungskettenmanagerin Judith Mayer (KIRA) besprachen gemeinsam mit den KIRA-Partner-Küchen und weiteren Interessierten eine  ganzheitlichen Umstellung auf regionale und ökologische Zutaten und der Umstellung von Beschaffungsprozessen. Ein wichtiger Impuls war: „Eigeninitiative und Verbindlichkeit der Küchen ist gefragt“, um Freiräume in den oft engen Rahmenverträgen  zu nutzen und langfristig weiter auszubauen. 

 

  • Logistik:Unter der Leitung von Dr. Anna-Mara Schön (TH Köln) wurden Lösungen für die „letzte Meile“ und die Bündelung kleiner Mengen gesucht, wobei Vertrauen als Basis für Effizienz galt. Ein Leitsatz lautete hier: „Logistische Netzwerke müssen neben der Leistungsfähigkeit auch transparent und steuerbar sein“

 

  • Kooperationen:An diesem Tisch befassten sich Melina Braches (KIRA) und Pauline Otto (TH Köln) gemeinsam mit den Akteur:innen zu dem Thema Partnerschaften und Kooperationen. In dieser Gruppe wurden Best-Practice-Beispiele geteilt und konkrete Bedarfe vernetzt, wie etwa die Suche des Studierendenwerks Düsseldorf nach regionalen Vollkornnudeln.  

 

  • Streuobst:Dieser Tisch fand wegen Krankheit nicht statt und das erste Treffen wurde auf den  14.01. verlegt. (online Arbeitsgruppe) Die Arbeitsgruppe widmet sich der Wertschöpfungskette für Äpfel und Apfelsaft, um gezielt Kitas mit Produkten von regionalen Streuobstwiesen zu versorgen. Kitas, Händler und Erzeuger spannen hier Kontakte hin zu diesem niedrigschwelligen Einstieg in die Regionalität.  

 

  • Rindfleisch:Unter der Leitung von Nadia Kömmling vom Ernährungsrat Wuppertal und Erzeuger Bernd Schmitz wurden hier Strategien diskutiert, wie regionales Weide-Rindfleisch für die Gemeinschaftsverpflegung attraktiv gestaltet werden kann, um nachhaltige Fleischprodukte stärker zu integrieren. 

 Zusammenfassend bot der Netzwerk-Launch für die über 90 Teilnehmenden ausreichend Möglichkeiten zum Austausch auf Augenhöhe, schaffte Begegnungsräume und war ein wichtiger Schritt bei der Entwicklung eines strukturierten Fahrplans hin zu einem Regionalversorgungsnetzwerk mit ganz konkreten Logistik-Lösungen für die Zukunft. 

EIN HERZLICHES DANKESCHÖN

Ein Netzwerk Launch wie dieser ist nur durch eine starke Gemeinschaft möglich. Unser besonderer Dank an dieser Stelle gilt: 

  • Allen Fachleuten, die auf der Bühne und an bei der Leitung der Thementische ihr Wissen, ihre Erfahrungen & Visionen geteilt haben. 
  • Der AXA Versicherung für die großartige Unterstützung, die Bereitstellung der inspirierenden Räumlichkeiten und die hervorragende Bewirtung, u.a. mit regionalem Gemüse und Molkereiprodukten. 
  • Unseren Verbundpartnern– der Technischen Hochschule Köln, der Fachhochschule Südwestfalen, der Hochschule Offenburg und dem Bioland-Landesverband – für die wertvolle wissenschaftliche und praktische Zusammenarbeit. 
  • Unseren Förderern, ohne deren Unterstützung dieses Projekt nicht möglich wäre: Dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat mit dem Programm „Gemeinsam vor Ort – Essen verbindet“ und der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen. 

Und vor allem danken wir den Teilnehmenden. Sie sind die Brückenbauer:innen, Macher:innen und Visionär:innen, die dafür sorgen, dass gute Lebensmittel aus unserer Region den Weg in die Küchen finden. 

Wir freuen uns darauf, diesen Weg im Jahr 2026 gemeinsam mit Euch weiterzugehen! 

 AUSBLICK: DAS KIRA JAHR 2026 

Das Netzwerk wächst weiter. Für das Jahr 2026 sind bereits folgende Meilensteine in der Region gesetzt: 

  • Ab Januar:Aus den Thementischen haben sich Arbeitsgruppen herausgebildet. Erste (digitale) Treffen der Arbeitsgruppen (u. a. zu Aktionsgerichten, Streuobst, Rindfleisch und Digitalen Lösungen) finden zwischen Januar und März statt. Termine
  • März & November:Große Netzwerktreffen. 
  • Mai & September: KIRA-Aktionswochen in den Küchen 
  • Sommer:Exkursionen zu Erzeugerhöfen vor Ort 

Wir laden alle Akteur:innen entlang der Wertschöpfungskette ein, Teil dieses Netzwerks zu werden.  

 

Ernährungsrat Köln