Köln, 26.06.2025 – Trotz Temperaturen von fast 40 Grad feierten rund 100 Gäste mit uns das zehnjährige Jubiläum des Ernährungsrats Köln und Umgebung. Bereits beim Ankommen mit kulinarischem Gruß des Offenen Kochtopfs wurde deutlich, worum es an diesem Abend ging: um Begegnung, Austausch und zehn Jahre gemeinsames Engagement für eine nachhaltige und gerechte Ernährungswende zu feiern.
Unter den Gästen waren langjährige Wegbegleiter ebenso wie neue Interessierte und Engagierte. Die offene und herzliche Atmosphäre spiegelte wider, was den Ernährungsrat seit seiner Gründung auszeichnet: Menschen, die gemeinsam Verantwortung übernehmen und Veränderungen anstoßen.
Bürgermeisterin Derya Karadag: Denn was wir heute feiern, ist mehr als ein schlichtes Jubiläum einer Institution. Wir feiern das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern, die Verantwortung übernommen haben. Freiwillig, beharrlich und mit großer Überzeugung.
Dass die Jubiläumsfeier trotz der großen Hitze gelingen konnte, ist vor allem den vielen Ehrenamtlichen, Organisator: innen und Unterstützer: innen zu verdanken. Ihr Einsatz macht nicht nur solche Veranstaltungen möglich, sondern ermöglicht den Ernährungsrat seit mittlerweile zehn Jahren.
Zehn Jahre Ernährungsrat –
zehn Jahre gemeinsames Gestalten
Im Mittelpunkt des Abends stand die Idee, die den Ernährungsrat seit seiner Gründung trägt: Ernährung ist weit mehr als das, was auf unseren Tellern liegt. Sie verbindet Landwirtschaft, Umwelt, Gesundheit und soziale Gerechtigkeit – und ist sowohl etwas Persönliches wie Politisches.
Nach der Begrüßung und Würdigung des Ernährungsrats Köln durch Bürgermeisterin Derya Karadag eröffnete Dr. Birgit Hoinle den inhaltlichen Teil der Veranstaltung mit einem Impuls zu den Strategien und Herausforderungen einer nachhaltigen, regionalen und gerechten Ernährungsversorgung.
Am Beispiel bio–regionaler Gemeinschaftsverpflegung wurde deutlich, wie komplex Ernährungssysteme sind und wie viele Akteur:innen zusammenwirken müssen, damit eine Ernährungswende gelingen kann. Gleichzeitig zeigte der Vortrag, dass Veränderungen dort entstehen, wo Menschen Verantwortung übernehmen, und gemeinsam neue Wege ausprobieren.
Wie aus einer Idee eine Bewegung wurde
Im anschließenden Podiumsgespräch diskutierten Valentin Thurn (Filmemacher und Mitbegründer des Ernährungsrats), Dr. Alexander Follmann (Vorstandsmitglied des Ernährungsrat) und Dr. Ophelia Nick (ehem. Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium und Weggefährtin des Ernährungsrats) über die Entwicklung des Ernährungsrats und die Veränderungen der vergangenen zehn Jahre.
Aus unterschiedlichen Perspektiven blickten sie auf die Anfänge zurück: auf die Motivation, den ersten Ernährungsrat Deutschlands zu gründen, auf die Herausforderungen der Aufbaujahre und auf die Frage, wie aus einer lokalen Initiative eine Bewegung entstehen konnte, die heute bundesweit wahrgenommen wird.
Besonders wichtig war dabei, wie sich die Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung in Köln entwickelt hatte und dass politischen Rahmenbedingungen zwingend notwendig sind, damit langfristige Transformationsprozesse gelingen können.
Ein weiterer Schwerpunkt war der Blick nach vorne: Welche Voraussetzungen braucht es, damit die Ernährungswende auch in den kommenden Jahren weiter Fahrt aufnimmt? Und welche Rolle spielen dabei Politik und Verwaltung auf allen Ebenen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft?
Was den Ernährungsrat wirklich trägt
Nach diesen eher politischen Perspektiven rückten diejenigen in den Mittelpunkt, ohne die der Ernährungsrat gar nicht existieren würde: die vielen Ehrenamtlichen.
In Interviews berichteten langjährig Engagierte ebenso wie Menschen, die erst seit Kurzem Teil des Ernährungsrats sind, von ihrer Motivation und ihren Erfahrungen in Gemeinschaftsgärten, Bildungsprojekten, der Vermehrung von regionalem Saatgut, nachhaltiger Landwirtschaft und gemeinsamen Kochaktionen.
Dabei wurde deutlich, dass hinter allen Projekten Menschen stehen, die über Jahre hinweg Zeit, Energie, Kreativität und Herzblut eingebracht haben – nicht, weil sie persönlich davon profitieren, sondern weil sie davon überzeugt sind, dass gutes Essen, eine nachhaltige Landwirtschaft und eine gerechte Ernährung Themen sind, die uns alle betreffen.
Dieses freiwillige Engagement ist seit zehn Jahren das Fundament des Ernährungsrats.
Zehn Jahre voller Meilensteine
Seit der Gründung des Ernährungsrats im Jahr 2016 ist aus einer zivilgesellschaftlichen Initiative ein breites Netzwerk entstanden, das die kommunale Ernährungspolitik in Köln nachhaltig mitgestaltet.
Bereits 2017 und 2018 wurde gemeinsam mit zahlreichen Bürger:innen, Initiativen, Fachleuten und der Stadtverwaltung das Beteiligungsverfahren zum Aktionsplan Essbare Stadt durchgeführt. Ziel war es, Köln grüner, lebenswerter und essbarer zu machen – mit mehr Orten, an denen Obst, Gemüse und Kräuter im öffentlichen Raum wachsen und Menschen zusammenkommen können.
In den Jahren 2018 und 2019 folgte die gemeinsame Erarbeitung der Ernährungsstrategie für Köln und Umgebung. Gemeinsam mit Akteur:innen aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft entstand ein Leitbild für eine gesunde, regionale und nachhaltige Ernährungsversorgung in der Region.
Ein wichtiger Meilenstein wurde 2020 erreicht: Sowohl die Ernährungsstrategie als auch der Aktionsplan Essbare Stadt wurden offiziell beschlossen. Damit wurde Ernährungspolitik erstmals dauerhaft als kommunale Gestaltungsaufgabe verankert und die Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung, Politik und Zivilgesellschaft auf eine langfristige Grundlage gestellt.
Parallel dazu entwickelte der Ernährungsrat zahlreiche Projekte, die zeigen, wie die Ernährungswende ganz konkret im Alltag aussehen kann. Mit Formaten wie dem Offenen Kochtopf werden Menschen eingeladen, gemeinsam zu kochen, saisonale und regionale Lebensmittel kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen. 2022 folgte die erste Messe für nachhaltige Ernährungsbildung, die Bildungsakteur:innen, Produzent:innen und Verantwortliche aus Kitas, Schulen und Gemeinschaftsverpflegung zusammenbrachte, um sich über nachhaltige Ernährungsbildung und zukunftsfähige Verpflegung auszutauschen.
Auch über Köln hinaus gewann die Arbeit zunehmend an Bedeutung. 2023 wurde die Essbare Stadt Köln mit dem internationalen Edible City Network Award ausgezeichnet – eine Anerkennung für die gemeinsame Arbeit vieler engagierter Menschen und ein Zeichen dafür, dass Köln als Vorreiterin einer nachhaltigen Stadtentwicklung wahrgenommen wird. Im selben Jahr wurde außerdem in Köln das bundesweite Netzwerk der Ernährungsräte gegründet. Damit erhielt die inzwischen deutschlandweit gewachsene Bewegung eine gemeinsame Plattform, um Erfahrungen auszutauschen und die Interessen kommunaler Ernährungspolitik auch auf Bundesebene stärker zu vertreten.
Seit 2024 bringt der Ernährungsrat seine Erfahrungen in das Modellprojekt KIRA ein. Ziel ist es, regionale Wertschöpfungsketten für die Gemeinschaftsverpflegung weiterzuentwickeln und Erzeugung, Verarbeitung, Logistik und Großküchen besser miteinander zu vernetzen. Im Jahr 2025 rückten mit Projekten wie Demetra zudem Fragen der Ernährungsgerechtigkeit und gesellschaftlichen Teilhabe noch stärker in den Mittelpunkt. Denn eine erfolgreiche Ernährungswende gelingt nur dann, wenn alle Menschen daran teilhaben können.
Heute gibt es bundesweit mehr als 60 Ernährungsräte mit über 2.000 engagierten Ehrenamtlichen. Was vor zehn Jahren in Köln begann, ist längst zu einer Bewegung geworden.
Die nächsten zehn Jahre beginnen jetzt
Auch wenn in den vergangenen zehn Jahren viel erreicht wurde, bleibt noch viel zu tun.
Gute Ernährung für alle Menschen, faire Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, eine klima- und biodiversitätsfreundliche Landwirtschaft sowie widerstandsfähige regionale Ernährungssysteme entstehen nicht von selbst. Sie brauchen politische Entscheidungen, mutige Ideen und Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Genau darin liegt die Stärke des Ernährungsrats: Menschen aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenzubringen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.
Unsere Jubiläumsfeier hat gezeigt, wie tragfähig dieses Netzwerk inzwischen geworden ist. Sie war Anlass, zurückzublicken, Erreichtes zu würdigen und Danke zu sagen – vor allem aber war sie ein Ausblick auf das, was noch vor uns liegt.
Denn die Ernährungswende ist ein gemeinsamer Weg. Die nächsten zehn Jahre haben gerade erst begonnen – und wir freuen uns darauf, sie gemeinsam mit vielen engagierten Menschen in Köln und Umgebung weiterzugehen.