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Bei strahlendem Sonnenschein trafen sich am 2.3.2026 regionale Erzeuger:innen und Verarbeitungsbetriebe in Wermelskirchen. Das Treffen zeigte: Regionale Wertschöpfungsketten sind machbar und das Interesse an Kooperationen und neuen Absatzmöglichkeiten ist groß. Die Veranstaltung richtete sich an ökologisch, regenerativ und konventionell wirtschaftende Erzeuger- und Verarbeitungsbetriebe aus dem Regierungsbezirk Köln und Düsseldorf.
Rundgang Humuswerkstatt
Leon Sikora stellte die Marktgärtnerei Humuswerkstatt mit rund 1,6 ha Anbaufläche vor. Die Gärtnerei ist ein regenerativer Gemüsebetrieb mit Produktions- und Bildungsstätte im Bergischen Land. Das Handeln und Denken ist stark von den Einflüssen der Permakultur geprägt. Seit 2019 liefert die Humuswerkstatt Gemüsekisten und Jungpflanzen nach Köln und bieten Gartenpraxis- und Permakulturkurse an. Die Gärtnerei arbeitet nach dem Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi). Das bedeutet, dass die Gesamtkosten und Risiken gemeinschaftlich von den Abnehmer:innen getragen werden. Leon Sikora demonstrierte verschiedene Werkzeuge, die den Anbau ohne größere Maschinen ermöglichen. Neben Endkund:innen produziert die Gärtnerei auch für gemeinnützige Organisationen wie Acker e.V. Perspektivisch sollen auch Kitas hinzukommen.
Direktvermarktung an Kitas –
Praxisbeispiel Bioholf Etzhold
Lea Etzold vom Biohof Etzold berichtete von ihren Erfahrungen als Biokisten-Lieferantin mit Kitas als Kund:innen. Der Biohof Etzold in Kavelaer Winnekendonk hat einen eigenen Bio-Hofladen sowie einen Biokisten-Lieferservice. Das Angebot umfasst hofeigene Erzeugnisse aus Anbau und Tierzucht, als auch Bio-Lebensmittel mit über 1200 Artikeln. Seit 2001 ist der Betrieb offiziell ein Biohof. Lea Etzold teilte Einblicke in Ihren Alltag, sowie die teilweise auch erfordernde Arbeit am Wochenende. Die Akquise und Betreuung der Kita-Kunden ist zeitintensiv und gleichzeitig ist die Nachfrage nach Bio-Gemüsekisten bei den Einrichtungen jedoch größer als bei den privaten Kund:innen.
Direktvermarktung an Großküchen
Ein Beispiel für erfolgreiche Zusammenarbeit ist die Markthalle Werra-Meißner in Eschwege. Die Markthalle Werra-Meissner in Eschwege entstand auf Initiative des Kreisbauernverbands im Jahr 2022. Es haben sich 9 landwirtschaftliche Betriebe aus einem Umkreis von 30 Kilometern zusammengeschlossen, um mittlerweile 45 Großküchen zu beliefern.
Ines Wollschak, die Geschäftsführerin, bezeichnet die betriebseigene Schäl- und Schneideanlage als das Herzstück der Markthalle. Sie verkaufen wöchentlich etwa 2 Tonenn geschälte Kartoffeln die Woche, aber auch geschnittenes Gemüse.
Hervorzuheben ist, dass die Gründung und die Anfangsinvestitionen, ohne konkrete Liefervereinbarungen erfolgte. Ines Wollschak erteilte Lieferverträgen eine Absage, da sie eine Höhe von Verbindlichkeit schaffen, die von beiden Seiten nicht gewährleistet werden kann.
Der Absatzmarkt Großküchen ist für alle Erzeugerbetriebe nur ein zusätzliches Standbein. Am einfachsten sind Produkte, die ganzjährig verfügbar sind. Laut der Einschätzung von Ines Wollschak hat Gemüse leider immer hohe Abweichungen und macht es deshalb schwieriger. Weitere Erfolgsfaktoren der Markthalle ist der geeignete Standort sowie das Alleinstellungsmerkmal der Regionalität.
Diskussion und Austausch
Bei den beiden Arbeitstischen kamen die Teilnehmer:innen des Netzwertreffens miteinander ins Gespräch. Gemeinsam diskutierten sie, welche Chancen und Herausforderungen sich für Kooperationen in der Belieferungen für die AHV Betriebe aus Sicht der Erzeuger:innen und Lieferant:innen ergeben.
Ein zentraler Ansatzpunkt ist für die Akteure die Ernährungsbildung. Sie kann als Türöffner für regionale Direktvermarkter wirken und Kindern früh einen Bezug zu Lebensmitteln und ihrer Herkunft vermitteln. Besonders wirkungsvoll sind Angebote, bei denen Kinder Landwirtschaft direkt erleben können, etwa bei Hofbesuchen. Auch niedrigschwellige Aktionen wie ein „gesundes Frühstück“ in der Kita können den Einstieg erleichtern und erste Berührungspunkte mit regionalen Produkten schaffen.
Darüber hinaus wurde die Idee diskutiert, Überschüsse aus Solawis als Probierangebote in Kitas zu nutzen. So könnten Kinder und Einrichtungen die Produkte kennenlernen – im besten Fall entstehen daraus langfristige Abonnements bei den Betrieben.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass es auch Herausforderungen gibt. Das Angebot vieler Solawis – etwa Kohl oder Wintersalate – passt nicht immer zu den Bedürfnissen von Kitas, die häufig snacktaugliches Gemüse und Obst wie Gurken, Paprika, Äpfel oder Möhren nachfragen. Für die Menüplanung benötigen Einrichtungen außerdem verlässliche Bestellmöglichkeiten und ein möglichst breites Sortiment. Klassische Gemüsekisten sind dafür oft zu spontan zusammengestellt. Auch organisatorische Fragen, etwa zu Lieferstrukturen oder zur Organisation von Hofbesuchen, spielen eine Rolle.
Aus der Diskussion wurde klar: Solawis können eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Vollsortimentern sein, ersetzen diese aber meist nicht vollständig. Erfolgreiche Kooperationen entstehen vor allem dort, wo engagierte Schlüsselpersonen in den Einrichtungen den Prozess mitgestalten. Zudem braucht es individuelle Lösungen statt eines starren Modells. Wichtig ist auch ausreichend Vorlaufzeit: Für die Anbauplanung sollten Betriebe etwa ein Jahr einplanen können.
Ideen für die Zukunft
Als möglicher nächster Schritt wurde die Idee von Informationsveranstaltungen für Kitas diskutiert. Bei solchen Terminen könnten sich regionale Erzeugerinnen und Erzeuger direkt vorstellen und ihre Angebote präsentieren. Erfahrungen zeigen, dass solche Formate oft erfolgreicher sind als klassische Kaltakquise. Die Humuswerkstatt signalisierte bereits Interesse an einem solchen Austauschformat.
Ausblick 2026
Im Projekt KIRA arbeitet der Ernährungsrat Köln gemeinsam mit Partner:innen daran, regionale Wertschöpfungsketten für die Außer-Haus-Verpflegung zu stärken. Ziel ist es, mehr Lebensmittel aus der Region in Küchen von Kitas, Kantinen und anderen Einrichtungen zu bringen und gleichzeitig regionalen landwirtschaftlichen Betrieben neue Absatzmöglichkeiten zu eröffnen.
Die Diskussionen und Impulse aus dem Netzwerktreffen werden in den kommenden Monaten in den verschiedenen KIRA-Arbeitsgruppen weiter vertieft. Dort entwickeln Akteur:innen aus Landwirtschaft, Verarbeitung und Gemeinschaftsverpflegung gemeinsam praktische Lösungsansätze für eine stärkere regionale Versorgung. Die kommenden AG Termine finden online statt, um eine Anmeldung wird gebeten. Bitte schreibt bei Interesse eine mail an Judith Mayer. Rückfragen und Anmeldung
Rindfleisch, Mo, 11.5. um 15 Uhr
Gemüse, Mi, 27.5. um 15 Uhr
Streuobst, Mi, 10.06. um 15 Uhr
Digitale Lösungen: Di, 24.06. um 10 Uhr
Ein nächster sichtbarer Schritt ist die KIRA-Aktionswoche, die im Mai vom 18. bis 25.5. in AHV-Betrieben stattfinden wird. Hier werden regionale Bestellvorgänge zwischen den Akteuren getestet, Ideen ausgelotet und neue Kooperationen ausgelotet. Die KIRA Aktionswoche richtet sich an motivierte AHV Betriebe, die die Belieferung mit regionalen Produkten ausprobieren wollen.
Im November ist zudem eine Netzwerkveranstaltung geplant, die weitere Akteur:innen aus Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und Gemeinschaftsverpflegung zusammenbringen soll. Der Austausch soll neue Kooperationen anstoßen und dazu beitragen, regionale Lieferbeziehungen langfristig zu stärken.